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Die Firma – Spielend Kunden gewinnen

geschrieben am 2. Juni 2008 | in: casual games, games + marketing, köpfe + player

Marcus Wenig & Tobias TeutschWie erzeugt man Sympathie für einen Laststufenschalter? Diese Frage haben sich Marcus Wenig (Foto rechts), 40, und Tobias Teutsch (Foto links), 30, Anfang des Jahres gestellt. Wenig ist Geschäftsführer und Gründer der Wiesbadener Digitalagentur Die Firma; Teutsch arbeitet dort als Unitleiter Casual Games. Die Firma greift Unternehmen unter die Arme, deren Produkte und Dienstleistungen einer Erklärung bedürfen. Wenig spricht von „Hidden Champions“ – Unternehmen die exzellente Produkte liefern, die vielen Menschen das Leben erleichtern oder verschönern, von denen außerhalb ihrer Branche aber kaum einer wisse, was sie eigentlich machen. Zum Beispiel Unternehmen wie die Reinhausen Gruppe, die sich mit Hochspannungstechnik befasst. Für den Global Player hat sich Die Firma ein so genanntes Casual Game ausgedacht: Das soll potenzielle Kunden dazu bringen, sich mit dem Reinhausen-Kernprodukt auseinanderzusetzen – dem Laststufenschalter.

Casual Games stehen für gelegentliches, lockeres Zocken ohne große Einarbeitungszeit. Die Games für zwischendurch, die gerne auch am Büro-PC gespielt werden, stehen derzeit hoch im Kurs. Aber eigentlich sind sie ein alter Hut: Pong und Tetris lassen grüßen. „Casual Games sind für Unternehmen ein ausgezeichneter Weg, ihr Image zu steigern und die Kundenbindung zu erhöhen“, sagt Wenig. Neben dem Spielspaß gehe es vor allem darum, dem Nutzer Wissen über die Marke, das Unternehmen oder das Produkt zu vermitteln. Beim für Reinhausen entwickelten Casual Game „Powerplay“ muss der Spieler Laststufenschalter bei den Stadtwerken eines fiktiven Ortes so geschickt bedienen, dass Industrie wie auch Privathaushalte immer optimal mit Strom versorgt sind. Nach dem Spiel soll der Spieler das Spiel Geschäftspartnern, Freunden und Bekannten schmackhaft machen. Als Appetit-Anreger gibt es Preise und Bestenlisten. Das Zwischenergebnis: Mehr Seitenzugriffe auf die Unternehmens-Website sowie eine deutliches Plus bei den Newsletter-Abonnenten, so Wenig. Spiele wie „Powerplay“ laufen unter der Firma-Fahne Infotainment – sie seien besonders für große Mittelständler wie Maschinenbauer und Werkzeughersteller interessant.

Powerplay

Sechs Mitarbeiter befassen sich bei Die Firma mit Casual Games – Projektleiter, Designer und Techniker. Dazu je nach Bedarf Illustratoren und Musiker. Auch Mathematiker habe man schon zu Rate gezogen, um zu verhindern, dass ein Spiel zu schwer werde, sagt Spiele-Häuptling Tobias Teutsch. Seine Abteilung finanziert sich durch die mit den Kunden vereinbarten Projektbudgets: Einen niedrigen fünfstelligen Betrag koste es, ein Casual Game zum Laufen zu bringen. Auf der Spiel-Kundenliste von Die Firma stehen auch T-Online und neckermann.de. Für das Versandhaus haben Teutsch & Co. u.a. „Die Schatzinsel“ ausgebuddelt: Bei dem Onlinespiel mussten die Nutzer einen Schatz suchen und zum Online-Duell gegen andere Kapitäne antreten. Anders als bei Reinhausen war die Marke nicht Teil des Spiels. Das neckermann-Logo tauchte im Spiel-Logo auf. Hier ging es darum, eine breit gefächerte Zielgruppe zu unterhalten.

Die Schatzinsel

Aktuell hat Die Firma einen Auftrag des ZDF-Kinderfernsehens an Land gezogen: Für die Jubiläumssendung von „Siebenstein bastelt sie ein Onlinespiel, das Kindern die Elemente Feuer, Erde, Wasser und Luft spielerisch näher bringen soll. Ein weiterer Neukunde kommt aus der Touristikbranche. Wenig und Teutsch haben sich zum Ziel gesetzt, dass man bei Casual Games sofort an Die Firma denkt. Das ist ambitioniert. In dem Segment tummeln sich Unternehmen wie die Karlsruher Gamesforge AG, die Hamburger Bigpoint GmbH und die Wiener Greentube AG („Ski Challenge“). Auch Branchengrößen wie Electronic Arts und Ubisoft sind auf den Casual-Games-Zug aufgesprungen. Laut einer Studie von Screen Digest sollen Casual Games 2007 in Europa und Nordamerika rund 1,8 Mrd. Dollar in die Kassen gespült haben. Casual Gaming übertreffe die Umsätze des „Hardcore Gaming“ etwa um das Anderthalbfache und locke fünfmal so viele Spieler an. Die Zielgruppe (ab 40Jahre alt, mehrheitlich weiblich) unterscheidet sich deutlich von traditionellen Computerspielern (mehrheitlich männlich, unter 30 Jahre alt), die ein tiefes Eintauchen in möglichst realistische Spielewelten suchen.

Einen kräftigen Schub erwarten sich Wenig und Teutsch auch vom gerade gegründeten Arbeitskreis Connected Games im BVDW: Hier gehe es vor allem darum, Games als Werbeträger transparent darzustellen und einen Wissenspool mit einheitlichen und validen Marktzahlen zu schaffen. Hier wartet viel Arbeit auf die deutschen Player: Wenn man von Casual Games spricht, meint jeder in der Branche etwas anderes. Wie sind Wenig & Co. eigentlich auf den Firmennamen gekommen? Wie andere sagten, sie gingen in die Werkstatt, gingen sie eben in Die Firma. Eine simple Idee – simpel wie die Casual Games.

Erschienen im kressreport 11/2008

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