
Mit erfreulichen Nachrichten kann Premiere derzeit selten aufwarten. Ausgerechnet eine Tochter sorgt für einen kleinen Lichtblick, auf deren Überleben in den vergangenen Jahren nicht viele gewettet hätten. Der Kölner Digitalsender Giga, TV- und Online-Heimat der Gamer-Gemeinde, feiert in diesen Tagen seinen zehnten Geburtstag – nach etlichen Umbrüchen, Strategie und Gesellschafterwechseln ist er seit einem Jahr im Besitz von Premiere.
Dem Vernehmen nach ist das Jubiläumsjahr das erste in der Sendergeschichte, in dem Giga seinen Business- Plan erfüllen wird. Auf dem langen Pfad in Richtung Profitabilität soll das Ziel Ende 2009 oder Anfang 2010 erreicht werden. Seit September steuert Geschäftsführer Stephan Borg (Foto unten), 30, den Kurs – und setzt für 2009 auf Expansion in ein neues Geschäftsfeld. Neben dem eigenen Sendebetrieb soll Giga Digital Television zur Produktionsfirma für Gaming-Sendungen werden. Das Interesse an dem Wachstumsmarkt ist bei TV-Sendern groß – über wenige zaghafte Versuche ist freilich noch keiner hinausgekommen. „Mit zehn Jahren geballter Expertise liegt es nah, auch für Dritte zu produzieren oder sie bei der Entwicklung von Gaming-Inhalten zu beraten“, sagt Borg.
Vereinzelte Erfahrungen mit Auftragsproduktionen hat Giga bereits in der Vergangenheit gesammelt. So entstand 2005 für den damaligen NBC-Universal- Schwestersender SciFi das Magazin „Sci Gamer“, 2006 für RTL II ein Pilot zum Format „Highscore“. Borgs neue Offensive zielt auch auf Games- Publisher, Konsolenhersteller und Verlage ab, die an professionell produzierten Web-TV-Angeboten interessiert sind. Je nach Budget ist dafür eine Zweitverwertung von Giga-Programmen oder eine Neuproduktion unter dem Label des Kunden möglich. Geht es nach Borg, soll das Produktionsgeschäft bald ein wichtiger Umsatzzweig werden. Pünktlich zum Geburtstag am 30. November wird die Unternehmensmarke Giga Digital durch ein eigenes Logo und eine B2B-Website gestärkt und vom Sender abgehoben.
Für neue Zuschauer sorgt die jüngste Kooperation mit TechniSat: Auf allen DigitalSat-Receivern und LCD-Digitalfernsehern des Anbieters ist

Giga nun auf Programmplatz sechs gespeichert. Das hohe Feedback der ersten zwei Wochen lässt laut Borg auf jede Menge Erstkontakte schließen. Üblicherweise findet sich Giga in den Voreinstellungen von Digitalreceivern irgendwo zwischen 80 und 100. „Spartensender müssen auf die Unterstützung der Industrie bauen können, damit digitale Programmvielfalt nicht bloß ein Modewort bleibt“, findet Borg. Dabei handelt es sich nicht um einen teuer bezahlten Marketing-Gag, sondern um eine Entwicklungspartnerschaft. Giga wirkt maßgeblich am neuen „TechniSat Multytext“ mit, einem multimedialen Text- und Bildinfor ma - tionsdienst auf Basis des Übertragungsstandards MHEG-5. Dieser soll voraussichtlich im März 2009 starten und programmbegleitende, interaktive Zusatzdienste auf den TV-Bildschirm bringen. Auch online rüstet Giga zum Jubiläum auf – mit einem neuen, vom Münchner Anbieter stream5 entwickelten Videoplayer und einer Video-on-Demand- Datenbank, die jeden Giga-Beitrag 24 Stunden nach der Erstausstrahlung dauerhaft verfügbar macht. Die Technik eignet sich auch für Video-Ads mit interaktiven Elementen. Ein gemeinsamer Showcase mit stream5 unter dem Titel „Giga Future“ soll ab Mitte 2009 „innovative Werbeformen zeigen, die so noch keiner gezeigt hat“, kündigt Borg an.
Der Mann ist Wandel gewohnt. Vier verschiedene Gesellschafter hat Borg in vier Jahren Giga erlebt. Als CvD kam er 2004, dem Jahr, in dem NBC Universal den Laden von Gründer Helmut Keiser aufkaufte. Ende 2005 übernahm ein Konsortium unter Führung des E-Sports- Veranstalters Turtle Entertainment die Regie, Ende 2007 schließlich Premiere. Selbst für einen Trendsetter-Sender ungewöhnlich viele Brüche. „Im elften und zwölften Jahr sollte Giga besser nicht ruckeln“, sagt Borg. „Jetzt sind Stabilität und Rückhalt gefragt.“
Ausgerechnet vom krisengeplagten Premiere scheint er dies bislang zu bekommen. Es passt zur Mentalität der News-Corp.-Manager, eine Tochter in einem strategischen Wachstumsmarkt machen zu lassen, solange sie ihre Pläne erfüllt. Also wird Borg erst beim Tag der offenen Tür zum Senderjubiläum Waffeln backen, dann nach Kalifornien fliegen, um eine Kooperation mit IGN Entertainment auszuhandeln. Der Anbieter des weltgrößten Gaming-Portals ist ebenfalls eine News-Corp.-Tochter (Torsten Zarges).
Comments
Das Ende von Giga naht also…interessanter Bericht !!
Ein TV Sender wird Dienstleister…wenn das mal kein Abstieg ist