
OnLive - das Ende der Konsolen? Auf der Game Developers Conference (GDC) in San Francisco hat das US-Unternehmen Rearden Studios mit OnLive einen vielversprechenden Spiele-Dienst angekündigt. Sämtliche Spiele laufen auf den Servern von Rearden, die die komplette benötigte Hardware-Infrastruktur wie Grafikkarte, Prozessor und Arbeitsspeicher zur Verfügung stellen. Der Spieler verbindet sich als Client mit den OnLive-Servern und muss selber lediglich über eine ausreichend schnelle Internet-Verbindung verfügen, um flüssig spielen zu können. Rearden gibt an, dass man die Server-Hardware alle sechs Monate auf den aktuellen Stand der Technik aufrüsten will. Cloud Computing für Gamer.
Hinter “OnLive“ stehen zahlreiche namhafte Spieleunternehmen wie Electronic Arts, THQ, Take-Two Interactive, Codemasters, Eidos, Atari und Ubisoft. 16 Spiele soll es zum US-Start des Services Ende des Jahres geben, darunter das Ballerspiel Crysis aus Deutschland. Laufen sollen sie auf jedem Computer, auf Macs und einem günstigen Abspielgerät, das “OnLive” selbst zusammenbastelt. Die Kosten: Nutzer müssen eine monatliche Gebühr von etwa 5 US-Dollar im Monat zahlen. Spiele können sowohl gekauft, als auch gemietet werden.
Werden also teure Spielekonsolen wie Sonys PlayStation 3 bald überfüssig? Im Interview mit der Spieleseite Gametrailers heißt es von Seiten Rearden Studios, man glaube nicht, dass man mit OnLive Konsolen oder Spiele-PC ersetzen würde. Viele Anwender, die sich die Hardware aber nicht leisten könnten, hätten so aber die Möglichkeit, aktuelle Games spielen zu können. Ob OnLive auch den Weg nach Europa findet - noch unklar (via derStandard; via Welt Online, via Chip Online).

Spiel-Verbot: Die Stadt Stuttgart hat ein für diesen Freitag angekündigtes E-Sport-Turnier der ESL-Liga (siehe Foto oben) untersagt. “Angesichts der Ereignisse und des schrecklichen Amoklaufs in Winnenden und Wendlingen”, so der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) in einer Pressemitteilung, “können wir eine solche Veranstaltung derzeit in unserer Stadt nicht akzeptieren.” Am Spielverbot habe aber auch der Veranstalter Turtle Entertainment Mitschuld. Der kam angeblich der Bitte nach einem pietätvollen Umgang mit dem Amoklauf nicht nach, wollte die Turnierspiele “Counter-Strike 1.6” und “Counter-Strike: Source” nicht durch harmlose Strategiespiele ersetzen. Für noch mehr schlechte Luft sorgte in Stuttgart offenbar auch ein Interview des “Stuttgarter Wochenblatts” mit dem Turtle-Sprecher und Jugendschutzbeauftragten Ibrahim Mazari. Der erklärte darin, der Ablauf werde wie gewohnt stattfinden. Eine Schweigeminute sei nicht geplant. Ein Zusammenhang zwischen Amoklauf und professionellem E-Sport bestehe “in keinster Weise”.
In einer im Internet veröffentlichten Stellungnahme widerspricht der Turnierveranstalter Turtle Entertainment der Darstellung seitens der Stadt Stuttgart: “Der Dialog über eine Verschiebung der Veranstaltung oder die Verwendung anderer Spiele wurde von der Stadt nicht gesucht, obwohl Turtle Entertainment jederzeit dialogbereit und lösungsorientiert war und ist. Wir bedauern die Absage, denn der Event und die vorgelagerte Eltern-Lan wären eine ideale Möglichkeit gewesen, sich differenziert mit dem Thema Computerspiele als Teil unserer heutigen Jugendkultur auseinanderzusetzen und die Mediennutzung junger Menschen zu thematisieren und zu diskutieren” (via Spiegel Online). Laut GamesMarkt hofft Turtle Entertainment die Gespräche mit der Stadt Stuttgart bald wieder aufnehmen zu können. Zudem werde geprüft, ob mit der einseitigen Absage des Partners ein Vertragsbruch vorliege.

Spielkonsole für den Rest der Welt: Das US-Unternehmen Zeebo schickt eine eigene Spielkonsole auf den Markt. Das gleichnamige Gerät soll sich speziell an Spieler in Schwellen- und Entwicklungsländern richten und liegt daher auch vom Preisniveau unter der etablierten Konkurrenz von Nintendo, Sony und Microsoft. Die ersten Zeebo-Konsolen sollen bereits im April in Brasilien in den Handel kommen und rund 199 Dollar kosten. Zeebo will jedoch den Preis bald auf 179 Dollar senken. Die Konsole basiert auf Produkten des US-Herstellers Qualcomm.
Als wesentliche Neuerung verzichtet man bei Zeebo vollständig auf Spielemedien. Alle Spiele sollen stattdessen über bestehende Mobilfunknetze heruntergeladen werden, ohne, dass die Spieler sich bei den Netzbetreibern anmelden müssen. Von der technischen Leistungsfähigkeit dürfte Zeebo etwa auf Höhe der PlayStation 2 liegen. Offenbar haben große Spielehersteller wie Electronic Arts, THQ und Activision bereits zugesagt, ihre Titel auch für Zeebo anbieten zu wollen (via derStandard, Spiegel Online).

Fit im Februar: Der US-Videospielmarkt (Konsolenhard- und -software sowie Zubehör) ist im Februar 2009 um 10% gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen. Rund 20 Mio Spiele und mehr als 2 Mio Konsolen trugen die Spieler zur Kasse. Der Gesamtumsatz lag bei 1,47 Mrd US-Dollar.
Schulterklopfen gibt es bei Nintendo und Capcom, lange Gesichter bei Sony: In den All-Format-Charts hatte das Nintendo-Wii-Spiel Wii Fit mit 644.000 verkauften Einheiten im Februar die Nase vorn, auf Platz 2 und 3 Street Fighter IV (Foto oben) aus dem Hause Capcom. In der Hardware-Hitparade brachten Nintendo 753.000 verkaufte Wii-Konsolen Platz eins. Ein Plus von satten 300.000 gegenüber dem Vorjahr. Der Nintendo DS lag mit 588.000 verkauften Geräten auf Vorjahresniveau. Microsofts Xbox 360 konnte im Jahresvergleich rund 140.000 Konsolen mehr verticken und kam auf 391.000 Verkaufte. Platz vier nur für Sonys PlayStation 3 mit 276.000 verkauften Konsolen (Vorjahr: 281.000) und das trotz der Veröffentlichung von Killzone 2. Die Preissenkung der top-ausgestatteten aber vergleichsweise teuren PS3 ist überfällig. PlayStation Portable (199.000 Verkäufe) und PlayStation 2 (131.000) sind die Schlusslichter (via 4players.de/GamesMarkt).

“Kranke” Werbung: In Großbritannien sorgt eine Werbeaktion für das Videospiel “Madworld” für Aufsehen. Auf mehreren Straßen und Plätzen in London und weiteren Städten lagen abgetrennte, blutige Armprothesen herum, zum Beispiel auf der Tower Bridge. In der Hand hielten sie eine Game-Hülle von “Madworld“. Das Spiel erscheint für die familienfreundliche Wii und wird vom Hersteller Sega offenbar als “blutgetränkte Action“ beschrieben. In Deutschland bringt Sega das Game nicht auf den Markt.
In der vergangenen Woche hatte eine andere Promoaktion in London Kritiker auf den Plan gerufen: Zum Verkaufsstart des Zombie-Horror-Games “Resident Evil 5“ verteilte Hersteller Capcom künstliche Gliedmaßen in der Stadt. Zugleich gab es einen Wettbewerb: Wer die meisten Körperteile sammelte, gewann eine Reise nach Afrika. In Deutschland verzichtete Capcom auf eine solche Werbung (via Focus Online).
RTL-Premiere: RTL Interactive Games Publishing will Ende 2009 erstmals einen Titel für PlayStation 3 veröffentlichen. Bei dem noch nicht näher benannten Projekt, das unter der Black-Inc.-Fahne läuft, soll es sich um ein Rennspiel handeln, das mit Hilfe der “Unreal 3″-Engine umgesetzt wird. Neben der PS3-Version soll es auch Versionen für PC und Xbox 360 geben (via RTL Interactive).
Auch Ingame-Werbung geht es schlecht: Das Ingame-Advertising-Unternehmen IGA sucht einen Käufer. Der ehemalige Boom-Sektor Ingame-Werbung leidet wie die gesamte Werbebranche unter der Weltwirtschaftskrise (via Brand Republic).
Offline ein Niemand: Die “FAZ” über einen “World of Warcraft“-Spieler, der sich wegen seiner Computerspielesucht therapieren lässt.