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In der Kabinettssitzung von 17. März, wenige Tage nach dem Amoklauf von Winnenden, wollten Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Ministerpräsident Horst Seehofer auf ein Verbot für gewaltverherrlichende Computer- und Konsolenspiele drängen (bartlspielt vom 16. März 2009). Stattdessen kam aber eine gemäßigte Forderung, “die Zahl pädagogisch und kulturell wertvoller Spiele deutlich zu steigern.” Im Gegensatz zur bisherigen “Vogel-Strauß-Politik” soll ein Dialog mit der Spielewirtschaft geführt werden.
Die Initiative zu der neuen Richtung kommt von Bayerns Medienminister Siegfried Schneider. Als mögliche Maßnahme, das Angebot and positiven Spielen zu steigern, wurde der Deutsche Computerspielpreis erwähnt, der am 31. März 2009 zum ersten Mal verliehen wird (bartlspielt vom 17. August 2008). Zusätzlich sollen bayerische Fördergelder für Spieleentwickler ausgeschüttet werden, die qualitativ hochwertige Inhalte produzieren. Um ein besseres Verständnis von Computerspielen zu erhalten, wird am 17. Juni der erste parlamentarische Spieleabend im Bayerischen Landtag abgehalten.
Die Einzelhandelskette Galeria Kaufhof stellt mit sofortiger Wirkung den Verkauf von Computerspielen ein, die eine USK-Freigabe “ab 18 Jahren” erhalten haben. Ebenso sollen keine Filme mehr verkauft werden, die von der FSK erst ab 18 Jahren freigegeben wurden. Dies sei eine Reaktion auf den Amoklauf von Winnenden und den Verdacht, dass jugendliche Täter gewaltverherrlichende Games gespielt hätten, heißt es bei Kaufhof. Bundesweit werde der Verkaufsstopp bereits umgesetzt, lediglich aktuelle Werbe-Ware soll noch bis Ende März verkloppt werden. Ab April sollen dann alle Kaufhof-Filialen frei von Spielen ohne Jugendfreigabe sein. Kaufhof möchte mit diesem Schritt ein Zeichen für seine soziale und gesellschaftspolitische Verantwortung setzen.
Olaf Wolters, Geschäftsführer des Branchenverbandes der Spieleindustrie, BIU, kritisiert die Aktion: “Ich finde es wirklich bedenklich, dass Kaufhof damit jedem Erwachsenen sein Recht auf Unterhaltung beschneidet. Man schießt mit dem Verkaufsstopp über das Ziel hinaus.“ Es wäre vernünftiger gewesen nur zu betonen, weiterhin eine altersgerechte Abgabe von Medien an seine Kunden zu gewährleisten. “Die Ironie an der Geschichte ist, dass Kaufhof trotzdem das umstrittenste aller so genannten Killerspiele Counter-Strike in den Regalen behält“, so Wolters. Die Urversion des Ego-Shooters ist ab 16 Jahren erhältlich.
Beim Spieleentwicklerverband G.A.M.E. sieht man das ähnlich. Geschäftsführer Stephan Reichart: “Ich halte die Reaktion für absolut überzogen. Filme oder Spiele für Erwachsene, die zum Teil von Kritikern in höchsten Tönen gelobt werden, aus dem Sortiment zu nehmen, nur weil sie ein Rating ab 18 bekommen haben, grenzt an unüberlegte Hysterie und Aktionismus.” Der Einzelhandel solle sich lieber um die Einhaltung von Altersfreigaben an der Ladenkasse kümmern und seine Kunden altersgerecht beraten, das reiche vollkommen aus.
In den Elektronikmärkten Saturn und Mediamarkt, die wie Kaufhof zur Metro Group gehören, sollen weiterhin Spiele und Filme ohne Jugendfreigabe in den Regalen liegen. (via Chip Online, Focus Online).
Sein Interesse an Giga hat Utz Wasner, Chef des Münchner Web-TV-Anbieters Game-TV, vehement geäußert - u.a. via “FTD” und kress (kress.de vom 3. März 2009). Doch dahinter steckte offenbar mehr Wunschdenken als Realität. “Wir verhandeln nicht mit Game-TV”, stellt Premiere-Sprecher Torsten Fricke auf kress-Nachfrage klar. Wasners Sender ist damit kein Kandidat, den bisherigen Konkurrenten Giga ganz oder teilweise zu übernehmen. Dem Vernehmen nach ist Giga-Geschäftsführer Stephan Borg mit mehreren anderen ernsthaften Interessenten im Gespräch, von denen einer die Web-Community in Kürze übernehmen könnte.
Game-TV, hinter dem der Münchner Finanzinvestor Tiburon Partners steht, hatte sich schon als eine Art legitimer Erbe präsentiert: “Seit der Bekanntgabe von Premiere, den Sender Giga Ende März 2009 einzustellen, sind viele neue User zu uns gestoßen, denen wir gerne eine neue Plattform bieten wollen”, heißt es etwa auf der Game-TV-Website. Der “FTD” (Montagsausgabe) sagte Wasner: “Wir sind für eine schnelle Lösung. Ich rechne mit Entscheidungen auf Wochenbasis.” Für die tatsächlichen Verhandlungspartner der Premiere-Tochter muss so etwas verwirrend klingen. Der Pay-TV-Konzern hatte Mitte Februar die Konzentration aufs Kerngeschäft und die Einstellung des Spartensenders beschlossen (kress.de vom 13. Februar 2009) (Torsten Zarges).
Aufregung in der Spieleszene: Die in München ansässige Game-TV GmbH bestätigt ihr Interesse an dem gescheiterten Spartensender Giga, bei dem der Noch-Eigner Premiere am 13. Februar den Stecker gezogen hatte (kress.de vom 13. Februar 2009). “Wir prüfen derzeit zusammen mit unseren Partnern intensiv verschiedene Optionen”, sagt Utz Wasner, geschäftsführender Gesellschafter der Game-TV GmbH. “Da es große Überschneidungen zwischen Programm, Zielgruppe und inhaltlicher Ausrichtung beider Sender gibt, ist dieser Schritt nur naheliegend.” Wasner betreibt von München aus den Web-TV-Sender Game-tv.com, der vom ebenfalls an der Isar ansässigen Seed-Investor Tiburon Partners AG finanziert wird. Tiburon hatte sich in der Vergangenheit bereits bei StudiVZ oder Xing engagiert. Vermarktet wird das Live-Stream-Angebot Game-tv.com von der Hamburger Spezialagentur TripleDoubleU. In einschlägigen Spielerforen wurde die Game-TV GmbH bereits seit einigen Tagen als möglicher Käufer für Giga gehandelt. Allerdings muss man der gut vernetzten Szene der Oline-Spieler viel Wunschdenken attestieren. Zuletzt machten Gerüchte die Runde, Giga könnte sogar bei der ARD unterkommen, um junges Publikum zu ködern (kress.de vom 18. Feburar 2009).
Wie genau eine mögliche Weiterführung des Giga-Angebots unter dem Dach von Game-tv.com aussehen könnte, will Utz Wagner noch nicht verraten. “Es wäre auf jeden Fall sehr schade, wenn das, was die Giga-Mitarbeiter gemeinsam mit der Giga-Community über viele Jahre aufgebaut haben, jetzt einfach im digitalen Treteimer verschwinden würde”, sagt Wasner. Dass er das Angebot 1:1 übernehmen werde, gilt jedoch als so gut wie ausgeschlossen. “Game-TV ist Game-TV und Giga ist Giga”, so Wasner weiter. “Bei uns wird es jetzt deshalb keinen Kulturwandel geben.”
Bei Giga ist die berufliche Zukunft von zuletzt über 50 Mitarbeiter akut bedroht. Nur wenige, wie der der Moderator Felix Rick, haben bereits neue Arbeitgeber gefunden (kress.de vom 27. Februar 2009). Beim Giga-Eigner Premiere wollte auf kress-Nachfrage niemand zu den Übernahmegerüchten und zur Giga-Zukunft Stellung nehmen (Rupert Sommer).
Nun erreicht die Premiere-Krise auch die Free-TV-Tochter Giga: Ende März stellt der Spartensender rund ums Gaming seinen Betrieb ein. Premiere will sich ganz auf sein angeschlagenes Kerngeschäft Pay-TV konzentrieren. “Mit der Einstellung von Giga endet eine der innovativsten Medienformen, die es nur geben kann: die Verbindung emotionaler Bilder im TV mit der reellen Chance der Kommunikation im Web”, schreibt Geschäftsführer Stephan Borg in einer Mail an die Partner. Neues Programm wird bei Giga ab sofort nicht mehr produziert, bis Ende März laufen Wiederholungen. Die Website “Giga.de” wird voraussichtlich im Mai abgeschaltet. Das Ende ist für Giga besonders bitter, weil der Sender 2008 sein bisher bestes Geschäftsergebnis erzielt hat und im Januar online den Rekordstand von 2,5 Mio. Visits schaffte.”Giga hat seit Einführung der neuen Struktur zwar stark zugelegt, wird den Herausforderungen - gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise - aber nicht gewachsen sein”, so Borg. “Selbst große Sender klagen bereits über bis zu zweistellige Umsatzrückgänge und Werbekunden investieren nur verhalten. Das hat auf kleine Sender wie uns erschütternde Auswirkungen.” Zudem sei gerade der Werbemarkt in der Gaming-Branche besonders stark eingebrochen.
In den kommenden Wochen will Borg versuchen, für die Online-Community “Giga.de” eine Lösung zu finden. Möglicherweise könnte sie von einem neuen Betreiber weitergeführt werden. Auf der Microsite b2b.giga.de sollen in den nächsten Tagen die Profile aller Giga-Mitarbeiter veröffentlicht werden, die nun einen neuen Job suchen.
Eigentlich wollte Giga in diesem Jahr expandieren. Neben dem eigenen Sendebetrieb sollte Giga Digital Television zur Produktionsfirma für Gaming-Inhalte bei anderen TV-Sendern werden (kress.de vom 28. November 2008). Außerdem war innerhalb der News Corp. eine internationale Kooperation mit dem Gaming-Portalbetreiber IGN Entertainment vorgesehen. Giga war 1998 vom damaligen NBC Europe gegründet worden. 2004 übernahm NBC Universal das Unternehmen von Haupteigner Helmut Keiser, verkaufte Ende 2005 an ein Konsortium unter Führung des E-Sports-Veranstalters Turtle Entertainment weiter. Seit Ende 2007 ist Premiere alleiniger Giga-Gesellschafter. (Torsten Zarges)